2011
04.15

Abschiede sind schwer – selbst für etwas weniger als 2 1/2 Wochen. Da ist eine gründliche Sicherheitskontrolle genau das richtige um abgelenkt zu werden. Wer hätte den Anteil an Metall im Feldschuh Leicht des österreichischen Bundesheeres auf so hoch geschätzt, dass er extra durchleuchtet werden muss? Zur Beruhigung: Das Laufmittel des österreichischen Soldaten zählt noch immer zu den erlaubten Gegenständen an Bord eines Flugzeuges.

Der Flughafen München ist groß genug, dass es zusätzliche Zwischen”checkpoints” zwischen den einzelnen Gates gibt. Und wer hätte es gedacht? Die Betreibergesellschaft nimmt Anleihe an der Deutschen Bahn und spielt Flugpassagiertetris und ändert das Gate. Wenn auch nur einmal. Das müssen sie wohl noch üben oder einen Workshop bei der Bahn machen. Langsam kommt dieses Krippeln hoch und man geht im Geiste nochmal alles durch… doch die Kommilitonen lenken nur allzu bald davon ab. Wartezeit verfliegt und schon bittet die türkische Luftlinie zum Boarding “auf einer Außenposition.” Also doch nochmal Bus bevors zum Fliegen wird.

Ein Platz an einem Notausstieg soll es sein, aber auch nur, wenn ich mich der Verantwortung gewachsen sehe “im Notfall nach außen zu beobachten und meine Mitpassagiere zum Notausstieg zu weisen.” Klar doch. Wird gemacht. Bis mich die freundliche Frage “Beef or Chicken?” weckt, ist nochmal Schlafen angesagt. Nach einem erstaunlich annehmbar schmeckenden “Beef” (mit aufgemalten Grillspuren, so sah es zumindest aus) sinkt die Maschine auch schon wieder: Istanbul ist nicht mehr weit.

Zum ersten Mal bin ich “international transit passenger” und darf statt zum Gepäck wieder in die duty free zone. Toll ist es da in Istanbul: Preise sind ohnehin alle nur noch mit Euro ausgeschildert und astronomisch. So eine Coladose um vier Euro schmeckt dann schon besonders… nach Luxus. So können sich drei Stunden Aufenthalt ziehen – aber wer will sich beschweren? Stimmung ist super unter der immer größer werdenden Reisetruppe der Universitäten Salzburg und Innsbruck.

Wieder wird zum Boarding gerufen und wieder wird die Ungefährlichkeit des Feldstiefels Leicht überprüft. Auch in der Türkei gilt er nicht als Waffe. Glück gehabt. Die Passagiere für diesen Flug haben sich stark verändert. Die erste afrikanische (inzwischen weiß ich es genauer, äthiopische) Tracht mischt sich darunter. Auch wird der mittlere Hautfarbton… dunkler. Keine Verantwortung über einen Notausstieg diesmal, dafür nur eine andere Person in meiner Economyclassreihe. Ein dunkelhäutiger Mann, der sich wenig später als mein erster äthiopischer Bekannter herausstellen wird: Ein Professor an der Universität von Addis Abeba, gerade auf dem Rückflug von einem Kongress der EU in Brüssel, der mir im Nebenher seine Telefonnummer mitgibt und freundlich darauf hinweist, dass ich jederzeit anrufen könne, wenn es Probleme geben sollte. Ich hoffe nach wie vor, dass mein etwas staunender Mund nicht zu weit offen gestanden hat.

Die Dunkelheit der Sahara ist fast beängstigend. Nach dem Lichtermeer von Kairo folgen immer wieder Phasen von  Schwärze am Boden – nur wenn der Nil erneut in Sichtweite gerät, gibt es ein schimmerndes Band am Boden. Die Stunden nach 22:00 verrinnen zäh… über zwölf Stunden unterwegs und zum ersten Mal im Leben im Luftraum eines anderen Kontinents.

Die Lichter der riesigen Stadt Addis Abeba sind dann auf einmal unter uns, während das Flugzeug in die Landephase tritt. Aufgesetzt und ins Sichtfeld kommt auch schon ein Terminal und ein Tower, die überall auf der Welt stehen könnten. Auch das Innenleben könnte überall – nein! halt! – kann es nicht. Denn seltsam verschlungene Buchstaben zieren die Hinweisschilder über oder unter dem Englischen. Amharische Schrift, wie ich schon weiß. Absolut unlesbar und doch von einer angenehmen Ästhetik. Ich folge der Masse nach… und gelange an einen Ort, der mit Schreibpulten gefüllt ist. Hier muss jeder ankommende Passagier ein Meldeblatt ausfüllen – doch die Angaben sind alle auf Amharisch – aber zum Glück auch auf Englisch, wenn man es umdreht. Ein eigener Anweiser schickt nach kurzem Anstellen in einer Schlange, die internationaler nicht sein könnte – von Dänen über tief verschleierten Araberinnen bis hin zu Nigerianern -, zur Passkontrolle. Die Schalter sind abgenutzt, ja fast ein wenig dreckig, aber neben der jungen äthiopischen Grenzbeamtin reckt ein modernes Webcamauge sich zu einem empor. Was ein Gegensatz. “Okay, you can go.”, ertönt es. Ich gehe durch eine gewönliche Bürotüre weiter zu den Gepäckförderbändern auf denen mein Rucksack mit seinen 18,7kg seine Runden dreht. Schon länger wohl. Denn alleine bis hier hin ist eine Stunde vergangen.

Ein Schild mit der Aufschrift “Austrian Group” bringt mich zu unserem Abholer. Ein klein gewachsener Mann, der aber durchaus gutes Englisch beherrscht, übernimmt die inzwischen gut 20 Mann (und Frau) starke Gruppe. Hinaus geht es vor den Flughafen und eine kühle Luft schlägt einem entgegen. Keine Spur von der “dünnen” Höhenluft von 2300m… glaube ich zumindest.

Auf gehts ins Hotel. Die Finsternis der Nacht versteckt Addis vor unseren Blicken. Nur die Leuchtreklame und der Verkehr lassen sich beobachten. Das erstere ist international… Coca Cola, Pepsi, Banken, Apotheken… das zweitere ist gewöhnungsbedürftiger… doch der mangelnde Verkehr verdeckt das wahre Ausmaß afrikanischer Autofahrerkunst (noch).

Der Lobbyeingang des Hotels ist freundlich und sauber… Jetzt heißt es Zimmereinteilung! Die Uhr zeigt 2:30 bereits… Wohin die Zeit verschwindet. Und da ist es wieder! Hotelgästetetris diesmal:

Zuerst heißt es, ich hätte den Schlüssel schon bekommen. Was ich nicht habe… Dann bekomme ich einen Ersatzschlüssel und mache mich auf in Richtung Zimmer. Zweiter Stock. 18,7kg und da schlägt sie ein die Luft comprare cialis genérico. Schwerer atmend als erwartet öffne ich die Tür polternd  – der überrascht-synchrone Schrei zweier Frauen lässt mich in der Bewegung einfrieren. In diesem Zimmer werde ich heute nacht nicht schlafen. Also wieder hinunter… Ein weiteres Zimmer, diesmal im vierten Stock. Belegt. Wieder hinunter. Alle guten Dinge sind drei… endlich einen Raum.

Ein “St. George’s Beer of Ethiopia” und eine Wasserflasche kaufe ich mir dann noch, mit den gewechselten Birr. Eine komische Währung, deren Besonderheiten mir erst in den nächsten Tagen auffallen wird. Das Bier ist herrlich… Nicht so wie das in der Dose (ich würde es ja Castorbehältnis nennen) transportierte Heineikken oder Carlsberg.

Trotz einstündiger Zeitverschiebung, einer 18 stündigen Reise, Höhenluft und Zimmerodysee falle ich um 03:20 zufrieden ins Bett und versuche in meine erste Restnacht in Addis Abeba einzuschlafen. Doch das wird schwieriger als gedacht…

3 comments so far

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  1. spannend 🙂 wie gings weiter?

  2. sobald ich wieder Zeit hab, schreib ich weiter 🙂

  3. @Flug: Du hast die Alpenüberquerung bei super tollem Wetter verschlafen! *argh* Und Kairo, Nil und Lichtermeer – kenn’ ich von der Ägyptentour genauso!

    Das mit der Zimmerodysee im Hotel darf eigentlich ja nicht wahr sein, oder? Da hat jemand wohl schon ein Vormitternachtsschläfchen gehalten – oder wäre das typisch Afrika? IN DEUTSCHLAND würde es soetwas NIEMALS geben xD

    Spannend, wie ist das mit den Birr gemeint? Das mit dem netten Prof. ist total kuhl.