2011
04.14

Wann beginnt eine Reise? Mit dem ersten Schritt vor die Tür? Oder sobald man “Bekanntes” verlässt? Kann die Fahrt von “sich” zu Hause zur Freundin schon als Reisebeginn gesehen werden?

Aber es ist nunmal anders, wenn man nach einem stressigen Unitag noch schnell von eigenem Bruder zum Bahnhof verfrachtet wird, sich sein Bayernticket löst und dabei einen, nein zwei Rucksäcke, mit 18,7kg auf dem Rücken trägt. Oder wenn sich der nagelneue Reisepass mit einem äthiopischen Visum in der sonst nie benutzten Bauchtasche befindet, wie auch der internationale Impfausweis, der innerhalb weniger Wochen soviele neue Einträge bekommen hat, wie in 10 Jahren davor nicht.

Und so stehe ich also an einem für Mitte April ungewöhnlich warmen Donnerstagabend am Bahnsteig 23 des gerade sich im Umbau befindenden Salzburger Hauptbahnhof. Als kleines Abschiedsgeschenk hat sich die Deutsche Bahn ein Spiel ausgedacht: Zugfahrertetris.

Zugfahrertretris spielt das könnende Bahnunternehmen so: Man lässt einen Zug aus “betrieblichen” Gründen ausfallen und macht damit die Zugreisenden mit einer Stunde Wartezeit mürbe. Dann lässt man auch den nächsten Zug streichen, nur um ihn durch einen Ersatzzug zu ersetzen. Für diesen ändert man dann 15 Minuten vor Abfahrt das Gleis beit-mirkahat.com. Fünf Minuten vor Abfahrt macht der wahre Meister dies wieder rückgängig und lässt einen Ersatz(!)zug “ausnahmsweise” vom ursprünglichen Gleis abfahren. Dieser fährt dann aber auch nur über die Staatsgrenze, wo dann erneut umgestiegen wird.

Statt 23:30 wird es 00:40, bis ich meine Füße auf das Ingolstädter Bahngelände setzen kann. Aber als erfahrener Bahnfahrer ärgert man sich nicht, sondern freut sich auf die 32 Stunden, die man so dennoch bei seiner Freundin verbringen kann.

Ein großer Eisbecher, eine Geburtstagsgrillparty eines Freundes und die Frage, ob die Beziehung zu einem Österreicher für eine angehende Beamtin im bayrischen Staatsdienst mit der notwendigen “bejahenden Einstellung zur Verfassung des Freistaates Bayern” vereinbar ist, lässt auch diese letzte Frist vor dem Abflug wie rasend vergehen. Schon sitze  ich Samstag-Früh im Auto in Richtung Flughafen München und wenig später stehe ich in der Schlange vor dem Check-in der Turkish Airlines. Während es für mich zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder fliegen heißt und ich “weg” fliege, stehen die meist älteren Herren und Damen wohl aus gegenteiligem Grund an: Heimaturlaub in der Türkei für jene, die doch eigentlich nur wenige Jahre in Deutschland bleiben wollten und dann doch geblieben sind…

Mit der erfolgreichen Abgabe meines Gepäcks auf unsichere Wege beginnt die Reise nun endgültig… Äthiopien ist nur noch zwei Flieger entfernt.

Ich werde versuchen die zahllosen Eindrücke und Erfahrungen aus der Äthiopienexkursion hier weiter zu veröffentlichen. Da weder Internet noch PCs immer sehr stabil laufen, kann sich dies natürlich verzögern…

1 comment so far

Add Your Comment
  1. Die Eindrücke gut beschrieben und zusammengefasst;) Bei dem großen Eisbecher hatte ich die genaue Erinnerung wieder im Kopf! Und musste schmunzeln.
    Und es wäre wohl ‘angehende Angestellte’ – zur Beamtin reicht es wohl nie, Schatz.
    Wäre sicher toll, wenn du das fortsetzen kannst!